jul 102013
 

Die Briten tun es, die Amerikaner sowieso – und jetzt stellt sich heraus: Auch die Franzosen greifen laut “Le Monde” massenhaft Kommunikationsdaten ab. Der Auslandsgeheimdienst späht systematisch Telefonate, Mails und soziale Netzwerke aus.

Paris – Frankreich hat womöglich seit Donnerstag seinen eigenen Datenskandal: Die Tageszeitung “Le Monde” berichtet auf ihrer Website, der französische Auslandsgeheimdienst DGSE greife in ähnlicher Art und Weise Kommunikationsdaten ab wie der US-Geheimdienst NSA. “Enthüllungen über den französischen Big Brother”, hat das Blatt seine Geschichte überschrieben.

Der DGSE fange Signale von Computern und Telefonen in Frankreich ab, betroffen seien auch Verbindungen zwischen Frankreich und dem Ausland. Zwar würden nicht die Inhalte von Gesprächen ausgeforscht, heißt es in dem Bericht. Es gehe vielmehr darum, eine Übersicht, eine Art Karte zu erstellen, wer mit wem kommuniziere.

Laut der Zeitung, die sich auf namentlich nicht genannte Geheimdienstquellen sowie offizielle Äußerungen von Geheimdienstmitarbeitern beruft, handelt es sich um illegale Eingriffe. E-Mails, SMS, Verbindungsdaten und die Nutzung von Facebook und Twitter etwa würden über Jahre gespeichert.

Das Vorgehen ähnelt dem der NSA, das der SPIEGEL enthüllt hatte. Demnach überwacht die NSA in Deutschland monatlich rund eine halbe Milliarde Telefonate, E-Mails oder SMS – systematisch wird ein Großteil der Telefon- und Internetverbindungsdaten kontrolliert und gespeichert. Außerdem überwachen die Amerikaner offenbar gezielt EU-Vertretungen. Auch in Großbritannien sorgte ein ähnlicher Abhörskandal für Aufsehen.

Eine Stellungnahme der DGSE gibt es bisher nicht. Laut “Le Monde” zweifelt die für die Kontrolle solcher Spionagemaßnahmen zuständige Kommission den Bericht allerdings an und versicherte, der Geheimdienst arbeite im Einklang mit den Gesetzen. Die einzige Einrichtung, die Kommunikationsdaten sammle, sei eine Regierungsstelle, die dem Premierminister unterstellt sei und deren Aufgabe es sei, Sicherheitslücken aufzuspüren.

Die Vorwürfe in dem Zeitungsbericht sind allerdings sehr konkret. Der Dienst DGSE horte die Daten im Keller seines Hauptquartiers in Paris, schreibt “Le Monde”. Die Wärme, die das Rechenzentrum ausstrahle, reiche aus, um das gesamte Gebäude zu heizen.

Die übrigen sieben französischen Geheimdienste, darunter Inlandsdienste, Experten für Geldwäsche und Zollfahnder, hätten Zugriff auf die Daten. Diesen anderen Diensten sei es dann freigestellt, sich in als verdächtig aufgefallene Kommunikation einzuklinken und etwa Gespräche abzuhören.

ffr/Reuters/Mitarbeit: Valérie Wagner
04. Juli 2013, 18:25 Uhr

Find this story at 4 July 2013

© SPIEGEL ONLINE 2013