mei 282015
 

Mitten in der BND­Affäre verbreitet sich diese Nachricht: Der Bundesnachrichtendienst soll
den Amerikanern einen entscheidenden Hinweis gegeben haben, der zur Ergreifung von
Osama Bin Laden führte. Ist das plausibel?
Hat der deutsche Geheimdienst BND den Amerikanern bei der Ergreifung von Osama Bin Laden
entscheidend geholfen? Das berichtet die “Bild am Sonntag” (BamS) unter Berufung auf USGeheimdienstkreise.
Demnach soll ein Agent des Bundesnachrichtendienstes angeblich den
Hinweis auf das Versteck des Terroristen in Pakistan gegeben haben.
Die Nachricht kommt zu einer Zeit, in der der BND erheblich in der Kritik steht: Der Dienst hat der
amerikanischen NSA beim massenhaften Ausspionieren von Zielen in Deutschland und Europa
geholfen, der Verdacht der Wirtschaftsspionage steht im Raum. Ausgerechnet jetzt verbreitet sich
die Nachricht von der angeblichen Heldentat des BND im Fall Bin Laden. Kann man das glauben?
Laut “BamS” gibt es einen Insider in US­Geheimdienstkreisen, der die “grundsätzliche Bedeutung”
des Bin­Laden­Hinweises der deutschen Kollegen betone und die Zusammenarbeit der Deutschen
und Amerikaner in dem Fall lobe. “Es gibt eine Menge zu kritisieren an der Zusammenarbeit
zwischen deutschen und US­Geheimdiensten”, schreibt die Zeitung in ihrer Online­Ausgabe. “Aber
es gab durchaus auch Erfolge im Kampf gegen den Terror.”
Bemerkenswert: Bislang war nie etwas von einer entscheidenden deutschen Rolle bei der
Ergreifung Bin Ladens bekannt geworden. Im Gegenteil: Experten halten den BND in Pakistan für
relativ ahnungslos, Erkenntnisse hat der Dienst dort fast nur über deutsche Dschihadisten.
Hinweis von pakistanisch­deutschem Doppelagenten?
Die offizielle Version der US­Regierung zur Tötung des Qaida­Chefs in der Nacht auf den 2. Mai
2011 besagt, dass ein Team von US­Navy­Seals per Hubschrauber von Afghanistan im Tiefflug
nach Abbottabad eilte, einer Bergstadt etwa 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt Islamabad.
Dort seilten sich Soldaten ab und fanden Bin Laden in einer hoch ummauerten Villa.
Sie töteten den Terrorfürsten, nahmen den Leichnam mit und bestatteten den meistgesuchten
Mann der Welt noch am selben Tag von einem Flugzeugträger aus im Arabischen Meer. Die
pakistanische Regierung wurde ­ so die offizielle Version ­ über den Einsatz erst informiert, als die
Helikopter schon in pakistanischen Luftraum eingedrungen waren.
Den Hinweis auf das Versteck haben die Amerikaner nach eigenen Angaben von Bin Ladens Kurier
al­Kuwaiti bekommen. Die “BamS” hingegen berichtet nun: Der Hinweis zu Bin Ladens
Aufenthaltsort sei damals von einem Agenten des pakistanischen Geheimdienstes Inter­Services
Intelligence gekommen ­ und dieser Agent habe seit Jahren auch für den BND gearbeitet. Die
Information des Doppelagenten soll dann an die USA weitergeleitet worden sein und habe einen
­ ohnehin bereits bestehenden ­ Verdacht der CIA erhärtet.
Bleibt die Frage: Warum hat der Doppelagent nicht direkt die Amerikaner informiert? In diesem
Fall hätte er eine dicke Belohnung einstreichen können. Warum also sollte die Information erst an
den ­ eher trägen, nicht übermäßig zahlungswilligen ­ BND gegangen sein?
Zweifel an der offiziellen Version im Fall Bin Laden gibt es immer wieder. Erst in der vergangenen
Woche hatte Pulitzer­Preisträger Seymour M. Hersh die Darstellung des Weißen Hauses kritisiert ­
und eine eigene Theorie vorgelegt. In der “London Review of Books” schreibt Hersh, US­Präsident
Barack Obama habe gelogen. Washington habe Islamabad viel früher in die geplante Aktion
eingeweiht. Beweise legte er für seine Theorie nicht vor.

brk/kaz/wal

16. Mai 2015, 23:52 Uhr

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